{"id":217,"date":"2024-12-09T19:50:47","date_gmt":"2024-12-09T19:50:47","guid":{"rendered":"https:\/\/testing.jannikliebl.de\/?p=217"},"modified":"2024-12-09T19:50:47","modified_gmt":"2024-12-09T19:50:47","slug":"albanien-2024-ein-abenteuer-zwischen-erkaeltung-kaffee-und-kurvigen-strassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/testing.jannikliebl.de\/?p=217","title":{"rendered":"Albanien 2024: Ein Abenteuer zwischen Erk\u00e4ltung, Kaffee und kurvigen Stra\u00dfen"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum Albanien?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer mich kennt, f\u00fcr den sollte diese Wahl keine gro\u00dfe \u00dcberraschung darstellen. F\u00fcr alle Anderen: ich habe schon seit l\u00e4ngerem eine gewisse Faszination gegen\u00fcber L\u00e4ndern, die viele Leute wenig auf dem Schirm haben. Sehr weit oben auf dieser Liste liegen deshalb die L\u00e4nder des (West-) Balkans, die f\u00fcr viele Leute noch immer ein gro\u00dfes Fragezeichen oder ein &#8222;Kroatien-Plus&#8220; sind. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu kamen die ganz praktischen Gr\u00fcnde einer Reise nach Albanien: Eines Tages konfrontierte mich meine Freundin mit Flugpreisen von unter 100\u20ac f\u00fcr einen Return-Trip nach Tirana ab Stuttgart. Zudem schw\u00e4rmte sie von den unglaublichen AirBnBs f\u00fcr wenig Geld, die ich so auch von anderen L\u00e4ndern noch kannte. Aus dieser Pespektive ergab eine Buchung also nur Sinn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">G\u00fcnstig, chaotisch und voller Charme \u2013 das hatte ich mir erhofft, als wir die Fl\u00fcge gebucht haben. Meine bisherigen Erfahrungen in dieser Region in Serbien, dem Kosovo und Montenegro sowie den anderen ehemaligen Soviet-L\u00e4ndern gaben mir eine gewisse Erwartungshaltung an dieser Stelle mit. Und trotz einer hartn\u00e4ckigen Erk\u00e4ltung, die mich schon vor der Abreise erwischt hatte, sollte sich dieser Trip als absolut lohnenswert erweisen und meine Erwartungen voll erf\u00fcllen. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Tirana: Der erste Eindruck<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Abenteuer begann in Rinas, dem Flughafen von Tirana, wo wir direkt unseren Mietwagen \u00fcbernahmen \u2013 ein unkomplizierter Start. Warum ein Mietwagen? Bei 25\u20ac pro Tag f\u00fcr ein Auto von Sixt (in diesem Fall ein VW Taigo) rentiert sich die Miete praktisch schon im Vergleich zu Taxipreisen vom\/zum Flughafen. Dazu die M\u00f6glichkeit ein Land flexibel kennenzulernen und unabh\u00e4ngig zu bleiben &#8211; was will ich mehr?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Airbnb entpuppte sich als gro\u00dfz\u00fcgige, luxuri\u00f6se Unterkunft, die uns mehr als positiv \u00fcberraschte. Nachdem wir uns frisch gemacht und das Umfeld erkundet hatten, ging es in die Innenstadt. Die Taxifahrt wurde dabei schon zum Erlebnis: Unser Fahrer, der lange in Gro\u00dfbritannien gelebt hatte, erz\u00e4hlte uns auf Englisch \u00fcber die Stadt und gab uns erste Tipps. Manche davon waren definitv relevanter als andere und sein konstantes Beharren uns seine Nummer aufzudr\u00fccken, &#8222;Falls wir mal raus aus der Stadt wollen&#8220; lie\u00df sich auch nicht durch das mehrfache Hinweisen auf unseren Mietwagen aufhalten.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kulinarisch starteten wir mit Paninis und Rotwein \u2013 g\u00fcnstig, simpel, aber irgendwie genau richtig f\u00fcr den Moment. Und mit g\u00fcnstig meine ich nicht schlecht: Angesichts von Ambiente und Essensqualit\u00e4t h\u00e4tte ich in Deutschland ein Vielfaches f\u00fcr die Erfahrung gegeben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4ter landeten wir noch in einer Bar, bevor wir gegen 2 Uhr ersch\u00f6pft, aber gl\u00fccklich ins Bett fielen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zwischen Chaos und Charme<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Plan f\u00fcr Sonntag war das Erkunden der Innenstadt Tiranas. Wir starten in den Tag in der lokalen Kaffeehauskette &#8222;Mon Ch\u00e9ri&#8220; mit \u00fcberraschend gutem Kaffee und belegten Broten. <br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An dieser Stelle mal einen kurzen Exkurz zur Kaffeekultur Albaniens \u2013 qualitativ irgendwo zwischen Italien und Deutschland \u2013 hat mich positiv \u00fcberrascht. Kaffeeh\u00e4user sind \u00fcberall im Stadtbild vertreten und die Ketten &#8222;Mon Ch\u00e9ri&#8220; sowie &#8222;Sophie Caffe&#8220; scheinen omnipr\u00e4sent zu sein. Selten habe ich fl\u00e4chendeckend so guten Kaffee genie\u00dfen k\u00f6nnen &#8211; wobei Albanien mir daf\u00fcr nicht all zu bekannt erschien. Auf der einen Seite gibt es den Einfluss des Balkans, wo meine Erfahrungen bisher nicht f\u00fcr guten Kaffee sprechen. Auf der anderen Seite der osmanische Einfluss, wo Kaffee durchaus anders zubereitet wird. Nun eine Kultur der Milchgetr\u00e4nke zu finden (inklusive &#8222;Latte-Art&#8220;), \u00fcberraschte mich sehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach ging es ins Einkaufszentrum \u201eToptani\u201c, wo ich eine Entdeckung machte: die Marke \u201eDeFacto\u201c. Gutes Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis, das mein Reisegepack um ein paar Kleidungsst\u00fccke erweiterte. Die komplette Shopping-Tour raubte uns einen Gro\u00dfteil des Vormittags, doch hatten wir danach noch gen\u00fcgen Zeit f\u00fcr etwas Sightseeing. Das Stadtbild entsprach gr\u00f6\u00dftenteils meinen Erwartungen: eine Prunk-Stra\u00dfe, ein paar stark sowjetisch gepr\u00e4gte Bauten, ein bisschen Altstadt. Was ich nicht erwartet hatte, war top-moderne Architektur. Wo immer Geb\u00e4ude neu entstanden, durften sich Architekten an Form und Fassade komplett austoben. Das Spiel mit Farben und Formen im Rahmen neuer Geb\u00e4ude; ob Hochhaus oder Moschee, fand ich sehr beeindrucken. Vielleicht k\u00f6nnte sich das schn\u00f6de Deutschland hiervon eine Scheibe abschneiden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Mittag folgte ein Highlight: Das Fischrestaurant &#8222;Varkat&#8220;, empfohlen von unserem Taxifahrer. Es stellte sich als eines der besten Seafood-Erlebnisse heraus, die ich je hatte. Und das bei einem Preis, der fast schon frech g\u00fcnstig war. F\u00fcr zwei Personen mit Vorspeisen, Hauptg\u00e4ngen und Wein zahlte ich unter 30\u20ac &#8211; nicht pro Person; gesamt. Alleine f\u00fcr dieses kulinarische Erlebnis w\u00fcrde ich nach Tirana zur\u00fcckkehren. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Hinterland<\/strong> &#8211; Tirana nach Burrel und zur\u00fcck<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Montag zog es uns raus aus der Stadt. Mit einer abklingenden Erk\u00e4ltung noch in den Knochen wollten wir nicht noch einen gesamten Tag auf den Beinen verbringen, also wurden kurzerhand am Vorabend ein paar Reiseoptionen hoch in die Berge gepr\u00fcft. Als mir auf der Karte eine sch\u00f6ne, wenn auch sketchy anmutende H\u00e4ngebr\u00fccke \u00fcber eine Bergklamm angezeigt wurde, war die Route gesetzt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Plan war eine Fahrt mit \u00fcber die Autobahn raus aus Tirana und hoch bis zum Lumi Mat See. Von dort aus sollte es \u00f6stlich bis zur Kleinstadt Burrel gehen, die wir in s\u00fcdlicher Richtung auf dem Weg nach Kruja verlassen wollten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Abendteuer begann f\u00fcr mich in dem Moment, in dem wir die Autobahn verliesen. Schnell wurde die Stra\u00dfenqualit\u00e4t schlechter, die Schlagl\u00f6cher mehrten sich und die Wege wurden immer enger. Schnell schl\u00e4ngelten wir uns hoch in die Berge, wo die Stra\u00dfe an der Talwand entlangf\u00fchrte, w\u00e4hrend auf unserer Seite es steil zu kleinen tiefblauen Str\u00f6men hinabging. Kurvige Stra\u00dfen, Tunnels, die an Postapokalyptik erinnerten, und Br\u00fccken, bei denen ich mir nicht sicher war, ob sie mehr Dekoration als Infrastruktur sind. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die von mir anvisierte Fu\u00dfg\u00e4nger-H\u00e4ngebbr\u00fccke \u00fcber einen dieser B\u00e4che existierte zu meinem Bedauern nicht mehr in einer begehbaren Form. Wie im Film hingen die Dielen gebogen und morsch in unregeml\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden, w\u00e4hrend in der Mitte der Br\u00fccke ein gigantisches Loch auf den geneigten Fu\u00dfg\u00e4nger wartete. Letztlich fanden wir an anderer Stelle zum Gl\u00fcck eine stabile Br\u00fccke \u2013 auch wenn bellende Stra\u00dfenhunde uns skeptisch be\u00e4ugten. Hier konnte ich meinen Adrenalinkick bekommen, bevor es zur\u00fcck ins Auto ging. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiter fuhren wir \u00fcber Landstra\u00dfen, die eher einer Safari als einer Stra\u00dfe glichen: Ziegen, Schafe, K\u00fche und sogar ein paar Schweine, dazu unz\u00e4hlige Hunde, H\u00fchner und Katzen sorgten f\u00fcr Unterhaltung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach 36 Kilometer und ca. zwei Stunden Abenteuerfahrt erreichte wir Borrel, eine kleine Stadt mit sowjetischem Landstadt-Charme. Dort parkten wir auf dem &#8222;Marktplatz&#8220; &#8211; eine halbgeflasterte Kreuzung, auf der ein gelangweilter Bauarbeiter alleine ab und zu einzelne Pflastersteine an den richten Platz schob, bevor das n\u00e4chste Fahrzeug seine Arbeit sofort wieder zunichte machte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einem kleinen Spaziergang in der Stadt bekamen wir den Eindruck, dass Borrel tats\u00e4chlich nicht viel zu bieten hat. Wir fanden ein kleines lokales Restaurant, in dem man erst die Tochter anrufen und herzitieren musste, um unsere Bestellung auf Englisch aufzunehmen. Dort genossen wir deftiges Essen auf einer Terrasse bei gem\u00fctlichen 10 Grad und Sonnenuntergang. Zwei Hauptgerichte, eine Cola und viel Tee f\u00fcr unschlagbare 12 Euro.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur\u00fcck wollte ich die Route zur angeblich netten Kleinstadt Kruja schlie\u00dfen. So verlie\u00dfen wir die Stadt in Richtung S\u00fcden und fuhren weiter h\u00f6her in die Berge. Nach ca. 8 Kilometern dann die \u00dcberraschung: Die Stra\u00dfe ging \u00fcber von Teer zu Schotter und wurde zu einem schmalen Weg von Gipfel zu Gipfel. Der kleine Mini-SUV hatte zusehends mit Grip zu k\u00e4mpfen und die ansetzende D\u00e4mmerung bereitete mir ein st\u00e4rker werdendes mulmiges Gef\u00fchl. <br>Schnell war die Entscheidung getroffen auf dem Absatz umzukehren und die bereits bekannte, weitestgehend befestigte Route zur\u00fcck zu nehmen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verkehrssituation bei der Einfahrt nach Tirana war auch an diesem Abend so schlecht wie die Zeit davor auch. Die Art des Verkehrs ist eigen: Fahrer schaffen sich spontan neue Fahrspuren, hupen geh\u00f6rte zur Alltagskommunikation, und Rettungsfahrzeuge mussten oft kreativ navigieren. Auch nach Fahrten in vielen chaotischen L\u00e4ndern dieser Welt hatte Tirana ein ganz eigenes Chaos f\u00fcrsich, welches die Navigation sogar noch unm\u00f6glicher machte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alles in Allem war die R\u00fcckreise nicht ideal, aber mit viel Musik im Auto \u00fcberlebten wir auch diesen Teil.  <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Letzter Tag und Fazit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser R\u00fcckflug am Dienstag wurde leider durch die Airline um zwei Stunden nach vorne verlegt, was auf einem nutzbaren Tag einen ruhigen Vormittag machte. Ein letztes Fr\u00fchst\u00fcck im Sophie Cafe, ein letztes Panini und der Genuss eines Cappuchinos &#8211; dann ging es zum Flughafen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Albanien ist ein Land, das Kontraste vereint. Westliche Kaffeekultur, moderne Architektur, tolles Essen und Chaos, L\u00e4rm und viel Egoismus. F\u00fcr mich war die Miete eines Autos wieder der perfekte Weg die Gegend zu erkunden: Vom Strand zu den Bergen, dichte Hauptstadt raus aufs Land. Mit diesen kurzen und doch tiefen Eindr\u00fccken konnte ich in den Flieger steigen und f\u00fchlte mich, als h\u00e4tte ich wenigstens ein gutes Gesamtbild bekommen k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Albanien bietet Abenteuer, Entspannung und die perfekte Mischung aus Chaos und Charme. F\u00fcr mich war es definitiv nicht das letzte Mal, dass ich diesen faszinierenden Teil des Balkans bereist habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum Albanien? Wer mich kennt, f\u00fcr den sollte diese Wahl keine gro\u00dfe \u00dcberraschung darstellen. F\u00fcr alle Anderen: ich habe schon seit l\u00e4ngerem eine gewisse Faszination gegen\u00fcber L\u00e4ndern, die viele Leute wenig auf dem Schirm haben. 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